Jack the Ripper - FROM HELL (1888)

Im Spätsommer 1888 begann eine Serie von äußerst brutalen Morden an Prostituierten im verwahrlosten Londoner Stadtteil East End. Das Eastend war verrufen. Es war der ärmste aller Stadtteile der Weltstadt, ein Viertel, in dem man strandete und selten wieder los kam. Wer ins Londoner Eastend geriet, tat alles, um die nötigsten Pennies für die Schlafstelle, das tägliche Essen oder Alkohol zu bekommen. Das Eastend war tatsächlich das Ende Londons. Es ist das gleiche „Kleinlondon", durch das 1888 der Mann streifte, den man später immer den „Ripper" nannte. Der sich seine Opfer suchte und leicht finden konnte, Frauen, die für ein paar Pennies verfügbar waren.

Zur Legende wurde die Geschichte aus verschiedenen Gründen. Der erste: Der Täter der so genannten Whitechapel-Morde wurde niemals gefasst. So konnten gerade in den Folgejahrzehnten die Theorien blühen, konnten Dutzende von Verdächtigen präsentiert werden, deren mögliche Täterschaft von so genannten Ripperologen heiß diskutiert wird. Ein zweiter Grund für die ins Kraut geschossenen Spekulationen ist die augenscheinlich schlechte polizeiliche Ermittlungsarbeit, flankiert durch das Verschwinden größerer Teile der Ermittlungsakten.
Was nicht bedeutet, dass die Londoner Polizei seinerzeit tatsächlich fassbaren Verdächtigen auf der Spur war. Kriminologische Untersuchungsmethoden, wie sie heute selbst in abendlichen Crime-Series die Spannung verstärken, gab es kaum. Und auch wenn sich die fünf „klassischen Ripper-Morde" praktisch in einem Gassengewirr von nicht einmal einem Quadratkilometer Ausdehnung zutrugen, hatte es die völlig überforderte Metropolitan Police mit einem Londoner Viertel zu tun, in dem bis zu einer halben Million Menschen unter elendsten Bedingungen hauste. 

Auch wenn die Mordserie die Gazetten der Welt beherrschte - es war immer eine Mordserie, die sich im ärmsten Stadtteil Londons abspielt. Das Eastend war - bei Tageslicht betrachtet - ein Ghetto. Und wenn manchem neuzeitlichen Kommentator das Wort „Dirnenmörder" unterkommt, dann hat es mit der tristen Wirklichkeit der Frauen im 1888er Eastend nichts zu tun. Für Tausende von ihnen war Prostitution die einzige Möglichkeit, überhaupt zu überleben.
Bei den Mordopfern handelte es sich fast immer um in Armut lebende, alkoholabhängige Frauen mittleren Alters. Die Pennys, die sie verdienten, setzten sie umgehend wieder in Alkohol um oder versuchten zumindest für eine Nacht einen Schlafplatz in einem der Logierhäuser (engl.: Doss Houses) von Spitalfields zu ergattern. Vorausgesetzt das 4 Pennys übrig waren.
Die damalige Bevölkerung im viktorianischen London nannte diese Frauen "Schwestern des Abgrundes".

Die Fälle

In den frühen Morgenstunden des 7.August 1888 gegen 3.30 Uhr kehrte Albert Crow zu seiner Wohnung in die George Yard Buildings zurück. Auf dem Treppenabsatz im ersten Stock sah er jemanden liegen. Der erschöpfte Droschkenkutscher hielt die Person für einen schlafenden Betrunkenen und legte sich schlafen.
Gegen 4.50 Uhr wollte der Dockarbeiter John Reeves das Haus verlassen um zur Arbeit zu gehen. Er rutschte auf einer Treppenstufe aus und entdeckte im ersten Morgenlicht eine Lache geronnenes Blut und die Leiche Martha Tabrams. Bei der Obduktion in einem als Leichenhalle umfunktionierten Schuppen stellte der Arzt Dr. Kileen fest, dass ihr Körper mit 39 Stichwunden verstümmelt worden war.

Bei der gerichtlichen Leichenschau sagte die Prostituierte Mary Ann Connolly genannt "Pearly Poll" aus, dass sie in der Mordnacht zusammen mit Martha Tabram und 2 Soldaten des Wachbataillons des Towers gezecht habe.
Gegen 1.45 Uhr ging Pearly Poll mit einem der Soldaten in eine dunkle Gasse, während Martha Tabram mit dem Anderen Richtung George Yard Buildings aufbrach. Das war das letzte Mal, dass Martha Tabram lebend gesehen wurde. Dieser Umstand und die Tatsache, das der Mörder seinem Opfer nicht, wie bei allen anderen Ripperopfern, die Kehle durchschnitt dürfte auch dazu beigetragen haben, dass viele Hobbydetektive und Polizeifachleute davon überzeugt sind, dass der Mörder ein Soldat sein muss und nicht Jack the Ripper.
Bei einer Gegenüberstellung der Soldaten des Gardebataillons, die in der Mordnacht dienstfrei hatten, erkannte Pearly Poll keinen als den Freier wieder, der mit Martha losgezogen war. So verliefen die ohnehin spärlichen Ermittlungen der Metropolitan Police im Sand.

Am Freitag, den 31.August 1888, 3 Wochen nach dem Mord an Martha Tabram, machte sich der Fuhrmann George Cross auf den Weg zur Arbeit. Als er gegen 3.30 Uhr in die
Tatort Buck's Row
Buck's Row einbog, sah er auf Höhe einer Pferdeschlachterei ein Bündel auf dem Straßenpflaster liegen, dass er zunächst für eine brauchbare Segeltuchplane hielt. Doch als er sich die vermeintlichen Plane näher anschauen wollte, erkannte er die Gestalt einer Frau, die er zunächst für eine Betrunkene hielt, die ihren Rausch ausschlief. Cross und ein inzwischen hinzugekommener anderer Fuhrmann namens John Paul untersuchten die Frau, wobei Cross feststellte, dass das Gesicht der Frau noch warm war. Da es stockdunkel war und die wenigen Gaslaternen kaum Helligkeit spendeten, sahen sie nicht die geringe Menge Blut auf dem Boden. Sie zogen ihr sittsam den hoch geschobenen Rock runter und suchten dann nach Hilfe. Nicht weit entfernt trafen sie auf den Police Constable Mizen und führten ihn zum Tatort. Dort war bereits der Constable Neil auf seiner nächtlichen Runde auf das Opfer gestoßen.
Der herbeigerufene Arzt Dr. Ralph Llewellyn stellten den Tod fest und ordnete an, die Leiche in die naheliegende Leichenhalle des Whitechapel Armenhauses zu bringen. So brachten 2 Police Constables das Opfer in einem zweirädrigen Handkarren zur Leichenhalle, da damals in London noch keine Krankenwagen existierten. Dr.Llewellyn erwähnte noch, er werde später die Obduktion vornehmen und sich nun wieder ins Bett begeben. Ein Junge wurde angewiesen, dass Blut von der Straße zu wischen.

Gegen 5 Uhr trafen die beiden Polizisten mit der Handkarre an der Leichenhalle ein, vor der bereits Inspector John Spratling ungeduldig wartete. Spratling zog den Rock und Unterrock der Toten hoch und bemerkte, dass der Unterleib aufgeschlitzt war und die Gedärme heraushingen. 2 Insassen des Armenhauses zerschnitten Teile der Kleidung des Mordopfers und wuschen die Leiche. Da zu der Zeit keine forensische Medizin existierte, war es sinnlos, die Kleidung auf heutzutage verwertbare Spuren zu untersuchen.

Erst am 1.September führte Dr.Llewellyn die Obduktion der Leiche durch. Vorher wurde das Opfer an die Wand gelehnt, damit es fotografiert werden konnte. Diese Vorgehensweise war im späten 19. Jahrhundert üblich, da man damals nur über große Fotoapparate in Holzboxen verfügte, die nur waagerecht fotografieren konnten. So wurden Leichen, wenn sie überhaupt fotografiert wurden, an Wände gelegt oder sogar an Nägeln aufgehängt.

Coroner Wynne E.Baxter eröffnete am selben Tag die gerichtliche Leichenschau, bei der man folgende Ereignisse in der Mordnacht festgestellte:

Das Mordopfer Mary Ann Nichols, 42 Jahre alt, wurde am 31. August gegen 2.30 Uhr zum letzten Mal lebend gesehen. Ihre Freundin Nelly Holland traf sie an der Ecke Osborne Street/Whitechapel Road. Sie sagte aus, Mary Ann Nichols habe erwähnt, dass sie sich noch ein paar Pennys verdienen wolle, damit sie im Logierhaus ein Bett bekäme. Dann verschwand sie in der Dunkelheit.
Laut Dr.Llewellyn hatte der Mörder das Opfer von hinten gepackt, den Mund zugehalten und dann die Kehle mit einem scharfen Messer mit langer Klinge komplett durchgeschnitten. Anschließend schlitzte er ihr den Unterleib auf. Später griff die Presse die gefallenen Begriffe "langes Messer" und den in Tatortnähe liegenden Schlachthof auf, um dem Mörder den Spitznamen "Lederschürze" (engl.: Leather Apron) zu geben.



Coroner Baxter brachte in seiner Abschlussrede vor den Geschworenen der Leichenschau den Mord an Martha Tabram und diesen Mord in Verbindung und bezeichnete beide Taten als Taten von ein und derselben Person. Mary Ann Nichols wurde am 6.September beerdigt. Die Straße Buck's Row, in der der Mord geschah, nannte man ab jetzt Durward Street.

Nun wurde die Londoner Presse aufmerksam und kritisierte den amtierenden Polizeichef der Metropolitan Police, Sir Charles Warren, die Police Constables und die Detectives der Kriminalabteilung CID (Central Investigation Department, das erst 1878 gegründet worden war) aufs schärfste. Der ehemalige General und Gouverneur, der keinerlei Erfahrung in der Polizeiarbeit hatte, war unglücklicherweise 1886 von Königin Viktoria zum Polizeichef ernannt worden. Sir Charles, der mehr an schmucke Uniformen als an Taktik und Ermittlungsarbeit interessiert war, zeigte schnell, dass er für die Kriminalabteilung nichts anderes als Verachtung übrighatte. So blieben die Detectives vom Scotland Yard schlecht ausgebildet und ausgerüstet und waren mit dem Mordfall Mary Ann Nichols schnell überfordert. Die Zeitungen wiederum beschrieben alle Tatumstände detailliert und veröffentlichten ganzseitige anatomische Illustrationen, die von den sensationsgierigen Lesern gierig aufgesogen wurden.

Am 8.September machte sich der Lastenträger John Davis, wohnhaft in der Hanbury Street 29, gegen 6 Uhr auf den Weg zum Markt. Auf dem Hinterhof stieß er auf die Leiche der 47-jährigen Annie Chapman, auch "Dark Annie" genannt. Sie lag in der Nische zwischen der Hoftreppe und dem Zaun des Nebenhauses auf dem Rücken, den linken Arm auf der Brust und die Beine waren hochgezogen. Der Ripper hatte ihr den Unterleib aufgeschlitzt, die Eingeweide entfernt und samt eines Hautlappens des Bauchs neben die linke Schulter gelegt. Der Tascheninhalt - einige Pennys und zwei billige Messingringe - lagen ordentlich vor den Füßen des Opfers aufgereiht.
Einige Minuten später wimmelte es auf dem Hinterhof nur so von Police Constables und Detectives der Kriminalabteilung in ihren typischen braunen Anzügen und Melonenhüten. Inspector Chandler ließ den Polizeiarzt Dr. George Phillips kommen, der nach kurzer Untersuchung der Leiche den Abtransport in die behelfsmäßige Leichenhalle in der Old Montague Street veranlasste.
Innerhalb kürzester Zeit versammelten sich mehrere hunderte Menschen vor den Haus Nr. 29. Die Anwohner der angrenzenden Häuser nahmen ein paar Pennys Eintritt, damit Neugierige von deren Fenster aus einen Blick auf den Tatort im Hinterhof werfen konnten.

Als Dr. Phillips 5 Stunden später in den als Leichenhalle umfunktionierten Schuppen ankam, musste er verärgert feststellen, dass auch dieses Opfer bereits ausgezogen und Annie Chapman gewaschen worden war. Er begann die Obduktion und bemerkte, dass der Mörder versucht hatte, den Nackenwirbel zu durchtrennen, was darauf schließen lässt, dass er sein Opfer enthaupten wollte. Scheinbar wurde Annie Chapman bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und verstarb durch den hohen Blutverlust.



Bei der anschließenden Coroner-Untersuchung am 10.September, unter der erneuten Leitung Wynne E.Baxters, sagte der Verwalter des Logierhauses in der Dorset Street, Timothy Donovan aus, dass er Annie Chapman in der Nacht zum 8.September aus der Küche verwiesen habe, da sie nicht über die notwendigen 8 Pennys für ein Doppelbett, dass sie immer für sich beanspruchte, verfüge. Dark Annie verließ gegen 1.45 Uhr das Logierhaus.
Gegen 4.45 Uhr kontrollierte der Lastenträger John Richardsson im Hinterhof der Hanbury Street 29 das Schloss der Kellertür, in der das Geschäft seiner Mutter lag. Ihm fiel nichts außergewöhnliches auf.
40 Minuten später ging der Zimmermann Albert Cadosch, der in der Hanbury Street 25 wohnte, zum Klosett, dass sich auf dem Hinterhof befand. Er hörte hinter dem nur 1,68 Meter hohen Trennzaun, der seinen von dem Hinterhof Nr.29 teilte, ein Handgemenge und die Stimme einer Frau, die das Wort "Nein" ausrief. Dann sei etwas Schweres gegen den Zaun gefallen. Er habe sich allerdings - noch schlaftrunkend - nicht weiter darum gekümmert.
Um 5.30 Uhr war Mrs Elisabeth Long auf dem Weg zum Spitalfield Markt, als sie eine Frau auf Höhe der Hanbury Street 29 bemerkte, die mit einem Mann sprach. Sie hörte, wie die Frau, die sie später als Annie Chapman identifizierte, zu dem Mann sagte: "Willst du ?". Dieser antwortet darauf mit "Ja". Der Mann habe einen Jägerhut getragen, sei um die 40 Jahre alt, eventuell Ausländer, schäbig gekleidet und recht klein gewesen. Allerdings wiedererkennen würde sie ihn wohl nicht.

Baxter stellte fest, dass entweder die Aussage von Albert Cardosch zeitlich nicht stimmen konnte oder Mrs Long sich geirrt habe. Im späten 19. Jahrhundert trugen die wenigsten Menschen Uhren. Sie orientierten sich an der Anzahl der Gongschläge der Kirchenglocken oder dem Stand der Sonne.
Bei der gerichtlichen Leichenschau unterbrach ein Geschworener Dr.Phillips bei seinen Ausführungen und fragte ihn, ob er schon die Augen des Opfers fotografiert habe. Zu der Zeit waren große Teile der Bevölkerung davon überzeugt, dass sich beim Eintritt des Todes, auf der Netzhaut das Bild des Mörders einbrennt. Der wissende Doktor verneinte die Frage.
In den folgenden Tagen ließen die Gerüchte und Berichte nicht nach. Durch die Presse angeheizt, brachen nun für Lederschürzenträger, wie Schumacher, Korkmacher oder Schlachter, schwere Zeiten an. Auch die Polizei ließ sich von der Hysterie anstecken und durchsuchte 200 Logierhäuser. Dabei wurden wahllos verdächtig aussehende Ausländer und Bettler verhaftet. Man schätzt die Zahl der Festgenommenen auf etwas 1000.
Auch die üblichen Spinner fanden jetzt ihre Bühne. Dazu gehörten Betrunkene, Prahler, Verrückte, die Andere bedrohten, Größenwahnsinnige, die sich selbst der Morde bezichtigen, usw.
Andere wiederum waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Wie zum Beispiel ein Deutscher, der auf dem Weg nach Amerika war und einen Zwischenstopp in East End eingelegt hatte. Scheinbar schaute er eine Frau einen Augenblick zu lange und zu intensiv an, so dass die - durch die Geschehnisse - nervös gewordene Frau ihn lauthals als den Ripper identifizierte. Sofort wurde der Deutsche von einer riesigen Menschenmenge umringt und bedrängt. Nur mit größter Mühe gelang es der Polizei den schockierten Deutschen zur nächsten Wache zu bringen, wo sich mit Hilfe eines Dolmetschers alles aufklärte.

Am 10.September kam es zum vorläufigen Höhepunkt der Hysterie, als Flugblätter und Zeitungen die Festnahme der Lederschürze meldeten. Der 33-jährige polnische Jude John Pizer, vom Beruf Schuhmacher, wurde von Detective Sergeant William Thicke verhaftet. Bei der Durchsuchung seines Zimmers wurden 5 große scharfe Messer sichergestellt.
Pizer selbst war in der Gegend als "Lederschürze" bekannt und wurde von den Kindern in der Nachbarschaft - wegen seiner hässlichen Erscheinung und seinem plattfüßigen Gang - aufgezogen. Bei der Befragung, unter der Leitung von Coroner Baxter, stellt sich allerdings heraus, das Pizer ein wasserdichtes Alibi für die Tatzeit vorweisen konnte. Sein Bruder hatte ihm aufgrund der Lederschürzenhysterie geraten, die nächsten Tage in seinem Zimmer zu verbringen. So war er von Donnerstag, dem 6. bis zu seiner Verhaftung am Montag, dem 10.September gegen 9 Uhr, entlastet.
Außerdem konnte keine der Frauen, die angeblich von einem Mann mit Lederschürze angesprochen worden waren, John Pizer als denjenigen erkennen. Pizer verblieb, aus Angst vor Lynchjustiz, freiwillig weitere 24 Stunden in Haft. Später verklagte er erfolgreich die Zeitungen auf Schadensersatz.

Schlimmer erging es dem jüdischen Schlachter Jacobs.
Er wurde von einer wütenden Menge durch Whitechapel gejagt und konnte sich schließlich in eine Polizeiwache retten. Hierbei verlor er den Verstand und musste in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert werden.
Eine Woche nach dem gewaltsamen Tod Annie Chapmans, stellten Geschäftsleute - unter der Leitung des Bauunternehmers George Akin Lusk - eine Bürgerwehr auf. Sie forderten zunächst mehr Polizeipräsenz und mehr Gaslaternen. Von nun an patrouillierten zwischen 2 und 5 Uhr nachts ein Dutzend Arbeitslose, die durch Spenden bezahlt wurden, durch die Straßen von Whitechapel.
Am 17.September erhielt die Metropolitan Police den ersten der mit "Jack the Ripper" unterschriebenen Briefe:

"Lieber Boss,
nun sagen sie also ich bin ein Jud wann werden sie es lernen lieber alter Boss ? Du und ich kennen die Wahrheit nicht wahr. Lusk kann mich solange suchen wie er will er wird mich nicht finden aber ich bin direkt vor seiner Nase und lach mich kaputt ha-ha. Ich liebe meine Arbeit und höre damit nicht auf bis ihr mich kriegt und eben dann nehmt euch in Acht vor eurem alten Kumpel Jacky.
Kriegt mich wenn ihr könnt.
Jack the Ripper" 

Weitere hunderte Briefe von Trittbrettfahrern und Wichtigtuern sollten in den nächsten Monaten folgen.

Am 27.September schickte der Ripper seinen zweiten Brief an die Central News Agency (deut.: Zentrale Nachrichtenagentur).

"Lieber Boss,
ich höre dauernd die Polizei habe mich gefangen. aber sie wird mich jetzt noch nicht fassen. Ich habe gelacht als sie so schlau aussahen und erklärten sie seien auf der richtigen Spur. Dieser Witz wegen der Lederschürze erzeugte bei mir einen Lachkrampf. Ich bin auf Huren heruntergekommen und werde nicht aufhören sie aufzuschlitzen bis ich ihr mich kriegt. Großartige Arbeit war die letzte Sache. Ich gabe der Dame keine Zeit zu petzen. Wie können sie mich da schnappen. Ich liebe meine Arbeit und will damit wieder beginnen. sie werden bald von mir mit meinen lustigen kleinen Spielchen hören. Ich hatte mir während meiner letzten Arbeit etwas von dem richtigen roten Zeug in einer Bierflasche aufgehoben um damit zu schreiben aber es wurde dick wie Leim und ich konnte es nicht benutzen. Rote Tinte ist passend genug hoffe ich ha-ha. Bei der nächsten Arbeit die ich mache werde ich der Dame die Ohren abschneiden und schicke sie zum Spass an die Polizeibeamten würden sie das nicht auch machen. Halten sie diesen Brief zurück bis ich ein bisschen mehr gearbeitet habe. Dann geben sie ihn gleich heraus. Meine Messer sind so schön und scharf das ich bei der nächsten Möglichkeit gleich wieder an die Arbeit gehen werde.
Viel Glück !
ihr ergebener
Jack the Ripper"

"War nicht meine Absicht den Firmennamen anzugeben. Konnte dies nicht eher verschicken bevor ich die ganze rote Farbe von meinen Händen entfernt habe
Verdammt.
Jedoch kein Glück. Jetzt sagen sie ich wäre ein Arzt ha-ha"

Belustigt über die Hilflosigkeit der Polizei, schickte der Mörder am 29.September den nächsten Brief, der einen Poststempel aus Liverpool trug und folgendes Schreiben enthielt:

"Hütet euch, ich werde am ersten und zweiten um 12 Uhr Mitternacht in den Minories (Straße vom Tower nordwärts verlaufend. Anmerk. des Autors) am Werk sein, und ich gebe den Behörden eine gute Chance, aber nie ist ein Polizist in der Nähe wenn ich an der Arbeit bin."

Am Sonntag, den 30.September, kehrte der Händler Louis Diemschutz gegen 1 Uhr mit seinem Pferdekarren von dem Kristallpalast in Sydenham zurück. Diemschutz war nebenbei Verwalter des dreistöckigen Gebäudes des internationalen Arbeiterbildungsvereins in der Berner Street 40. Hier trafen sich russische, polnische und deutsche Juden, die als Opfer antisemitischer Verfolgungen nach Ostlondon immigriert waren. Er wunderte sich, dass das hölzerne Doppeltor um diese Zeit noch offen stand. Als Diemschutz es mit seinem Karren durchfuhr, scheute das Pferd nach links aus. Als Grund hierfür sah er einen auf dem Boden liegenden Haufen, den er zunächst für Unrat hielt.
Als Diemschutz vom Bock herabstieg und einen Streichholz anzündete, erkannte er jedoch im flackernden Licht die reglose Gestalt einer Frau. Aufgelöst rannte er in das Gebäude um eine Kerze zu holen und kehrte dann mit einem Freund zurück. Beide sahen im strömenden Regen, dass die Kehle der Frau durchtrennt war und immer noch Blut aus der Wunde sickerte.

Bei der späteren Leichenschau kam der Coroner zu der Feststellung, das Louis Diemschutz scheinbar den Ripper bei seiner Arbeit gestört hatte. William Smith Police Constable William Smith kam wenig später auf seiner routinemäßigen Streife, die etwa 25 Minuten dauerte, am Gebäude des Vereins vorbei und sah, dass sich dort eine aufgebrachte Menschenmenge angesammelt hatte.

Der Mörder hatte die kurze Zeitspanne zwischen zwei Streifengängen genutzt, um sein Opfer zu töten. Dabei ließ er sich auch nicht von den ca. 30 Mitgliedern des Vereins stören, die bei offenen Fenstern Lieder sangen. Niemand hatte Schreie oder Hilferufe gehört. Bei dem Opfer handelte es sich um die 44-jährige Elisabeth Stride, auch "Long Liz" genannt.
Während der Coroner-Untersuchung sagte Constable Smith aus, dass er gegen 0.35 Uhr Elisabeth Stride an der Ecke Fairclough/Berner Street, an einer Mauer gelehnt und mit einem Mann sprechend, gesehen habe. Der Unbekannte habe einen langen dunklen Mantel, dunkle Hosen und einen Jägerhut aus Hartfilz getragen, sei etwa 1.70 m groß und etwas Ende 20 gewesen. Danach wurde Long Liz nicht mehr lebend gesehen.



Nur 45 Minuten nach der Entdeckung der Leiche von Elisabeth Stride, erreichte Police Constable Edward Watkins auf seiner Runde den Mitre Square, der nur etwa 15 Gehminuten von dem ersten Tatort entfernt lag. Im Schein seiner Blendlaterne sah er in einer Ecke des Platzes eine Frauengestalt in einer Blutlache liegen. Das Opfer, die 43-jährige Catherine Eddows, lag auf den Rücken, das rechte Bein war angezogen und das Gesicht nach links gewand. Ihr Kleid war über die Brust hochgeschoben.
Die Leiche war vom Brustbein bis zum Unterleib aufgeschlitzt und der Mörder hatte die Därme herausgenommen und über ihre rechte Schulter geworfen. Watkins alarmierte den Wachmann eines nahegelegenen Lagerhauses und suchte dann die Gegend -
Major Henry Smith laut auf seiner Signalpfeife nach Verstärkung pfeifend - ab.
Etwa gegen 2 Uhr, als der Polizeiarzt Dr. F.Gordon Brown am Tatort eintraf, wurde der Polizeichef der City Police von London und Intimfeind von Sir Charles Warren, Major Henry Smith, wegen des Mordes am Mitre Square geweckt. Smith nahm mit einigen Detectives, die der Polizeiwache Bishopsgate angehörten, am Themseufer die direkte Verfolgung des Rippers auf.
In der Dorset Street waren die Polizisten dem Mörder so nah auf den Fersen, das Major Smith an einer Wasserzapfstelle noch das blutige Wasser am Ablauf sehen konnte, wo der Ripper sich die Hände gewaschen hatte. Dort aber verlor sich dann die Spur.



Zu einem Eklat kam es in dieser Nacht in der Goulston Street. Ein Police Constable der Metropolitan Police hatte in einem dunklen Gang ein Stück Stoff von der Schürze Catherine Eddows entdeckt. Direkt auf einem Mauersockel stand der Satz:

"Den Juden wird die Schuld nicht umsonst gegeben"

Da die Detectives der City Police auf der Mörderjagd bereits weit ins Amtgebiet der Metropolitan Police eingedrungen waren, schickt Major Smith 3 Mann zum Auffindeort des Schürzenfetzens, um den Text zu fotografieren. Doch Sir Charles Warren befahl seinen Leuten den Text zu entfernen. Er begründete diese Maßnahme damit, dass es wegen des Textes an der Wand zu antijüdischen Unruhen kommen könne.

Tragischerweise hätte Catherine Eddows nicht ein Opfer des Rippers sein müssen. Sie wurde am Samstagabend wegen Trunkenheit und Ruhestörung festgenommen. Allerdings hatte der Police Constable George Hutt auf der zuständigen Polizeiwache Bishopsgate sie - entgegen der Vorschriften - frühzeitig gegen 1 Uhr nachts, knapp eine Stunde vor ihren gewaltsamen Tod, wieder entlassen.
Bei der Coroner-Untersuchung sagten einige Zeugen aus, dass sie in der Mordnacht Catherine Eddows in der Nähe des Mitre Square mit einem Mann haben reden sehen, aber niemand konnte den Unbekannten beschreiben.

Am Montag, den 1.Oktober ging bei der Central News Agency eine Postkarte ein:

"Ich habe nicht gespaßt lieber alter Boss als ich dir den Tipp gab. Du wirst morgen von Saucy Jacks Arbeit hören. Doppelereignis diesmal Nummer eins hat ein bisschen gekreischt aber konnte nicht ganz fertig werden. Hatte keine Zeit die Ohren für die Polizei zu besorgen. Danke das der letzte Brief zurückgehalten wurde bis ich wieder an die Arbeit gehen konnte
Jack the Ripper"

Da die Karte bereits am Sonntag, dem Tattag, abgeschickt worden war, konnte nur der echte Jack the Ripper der Verfasser dieses Schriftstücks sein. Denn zu dem Zeitpunkt wusste niemand in der Öffentlichkeit von der Tatsache, dass der Mörder seinem Opfer die Ohren abschneiden wollte.
In den folgenden Tagen musste die Polizei beide Tatorte komplett sperren, da sich dort täglich neugierige Menschenmassen drängten. Erstaunlicherweise war das Entsetzen über den Doppelmord in der Bevölkerung nicht so groß, wie die Empörung über das Verhalten des Polzeichefs Sir Charles Warren.
Mehrfach wurden er und der Innenminister Henry Matthews zum Rücktritt aufgefordert. Sir Charles reagierte mit einem massiven Einsatz seiner Polizeikräfte. Police Constables verteilten 80 000 Handzettel, mit denen um Informationen zu den Whitechapel-Morden gebeten wurde. Sieben hohe Polizeioffiziere wurden speziell auf den Ripper angesetzt, 2000 Bewohner befragt und die Bevölkerung in den Pubs und Herbergen von zivilen Detectives bespitzelt.
Doch außer einem Wust von ca. 1400 Briefen mit Denunziationen kam nichts Verwertbares beim Großeinsatz der Polizei heraus.

Am 4.Oktober 1888 erwähnte Dr. Brown während der gerichtlichen Leichenschau zum ersten Mal, dass der Ripper Catherine Eddows mit "einen sauberen Schnitt" die linke Niere entfernt hatte. Wahrscheinlich kam durch diese Aussage die Vermutung auf, dass Jack the Ripper ein Arzt sein müsse.
12 Tage später, am 16.Oktober, erhielt der Vorsitzende der Bürgerwehr, George Lusk, ein Päckchen zugestellt. Der Inhalt war eine, in Spiritus eingelegte, halbe Niere und ein Brief.

"Aus der Hölle
Mr Lusk
Sir
Ich schicke ihnen die Hälfte der Niere die ich einer Frau entnahm und für sie konserviert habe das andere Stück habe ich gebraten und gegessen war recht gut. vielleicht schicke ich ihnen auch das blutige Messer das sie rausgeschnitten hat wenn sie nur noch ein wenig warten.
Fangen sie mich wenn sie können
Unterzeichnet
Mr Lusk "

Der Pathologe Dr. Oppenshaw untersuchte die halbe Niere und kam zu dem Ergebnis, dass sie zu einem alkoholabhängigen Menschen mit brightischer Krankheit im Endstadium, der bei der Organentnahme ca. Mitte vierzig war, gehörte. Das traf auf Catherine Eddows zu.
Die Detectives und die Zeitungen wurden nun mit Ripperbriefen bombardiert. Ihre Zahl wird auf ca. 2000 Briefe geschätzt. Der Polizei gelang es vereinzelt, die Urheber solcher Machwerke zu ermitteln und sie vor Gericht zu stellen.
Allmählich wurde es in Whitechapel wieder ruhiger, als sich Sir Charles Warren - durch einen öffentlichen Rüffel des Innenministers gekränkt - zum Rücktritt entschloss. Gleichzeitig machte sich der Ripper bereits wieder auf den Weg zu seinem nächsten Opfer.

Am Freitagvormittag, den 9.November 1888, schickte der Kerzenmacher und Mietshausbesitzer John McCathy seinen Gehilfen Thomas Bowyer gegen 10.45 Uhr zum Miller's Court Nummer 13. Dieser sollte von Mary Jeanette Kelly die rückfällige Miete einkassieren. Als Bowyer vor der verschlossenen Tür der ärmlichen Absteige stand und niemand öffnete, trat er an das rechte Fenster. Da eine Scheibe zerbrochen war, griff er vorsichtig hindurch und schob den Vorhang zur Seite. Was er dann erblickte, ließ ihn dermaßen erschrecken, dass er laut schreiend zu seinem Chef lief, und dieser wiederum dann die Polizei informierte.



Eine halbe Stunde später erschienen der Polizeiarzt Dr. Phillips und der herbeigerufene Inspector Frederick G. Abberline am Tatort.
Abberline telegrafierte seinem Chef Sir Charles Warren, der noch für einige Tage im Amt war, die Frage, ob am Tatort die berühmten Bluthunde (engl.: Bloodhounds) zum Einsatz kommen sollten.
Frederick Abberline So warteten alle Anwesenden auf die Ankunft der Bluthunde Barnaby und Burgho und folgten Warrens Befehl, dass niemand den Tatort betreten durfte.
Um 13.30 Uhr traf Hauptinspector Arnold ein und widerrief Warrens Anordnung. Zunächst wurde von einem der beiden Fenster aus ein Foto des Tatortes ins Innere des Zimmers gemacht. Erst dann öffnete ein Constable mit einer Axt die Tür. Auf dem Bett lag die stark verstümmelte Leiche von Mary Jeanette Kelly.
Der Ripper hatte ihr von dem einen Ohr bis zu dem anderen die Kehle, bis auf die Wirbelsäule, durchtrennt. Die Nase und die Ohren waren abgeschnitten und das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschlitzt. Die amputierten Brüste und die Leber lagen an der Seite des Betts, die Nieren lagen unter dem Kopf, die Milz lag links und die Gedärme rechts von der Leiche. Auf einem Tisch fand Inspector Abberline Fleischfetzen des Bauches und der Oberschenkel. Das Herz nahm der Ripper scheinbar mit, da es nicht am Tatort gefunden wurde. Im Kamin lag ein großer Haufen verbrannter Kleidungsstücke des Opfers. Hierbei handelte es sich um die Schmutzwäsche, die der Mörder verbrannte, um im Schein des Feuers sein blutiges Werk vollenden zu können.
Wie Abberline annahm, müssen die großen Flammen und die starke Hitze so nach außen gewirkt haben, als wenn das ganze Zimmer in Flammen gestanden hätte. Doch weder die anderen Mieter, noch vorbei hastende Passanten schienen etwas bemerkt zu haben. Nach Schätzungen der Polizei hatte sich der Ripper ungefähr 2 Stunden Zeit für das Blutbad genommen, bevor er dann eine Kommode vor die Tür schob und durch ein Fenster entkam.

In der Leichenhalle von Shoreditch bemühten sich 6 erfahrene Gerichtsmediziner 7 Stunden lang die sterblichen Überreste von Mary Kelly wieder so herzustellen, dass der Anblick für die Geschworenen der gerichtlichen Leichenschau einigermaßen erträglich war. Während die Polizei leugnete, das Körperorgane fehlten, widersprach die Zeitung "Times" energisch. Erwiesen ist, dass Mary Kelly in einem frühen Stadium schwanger war. Allerdings ist unklar, ob der Fötus fehlte.

Am 11.November fand, unter der Leitung von Dr. Ronald McDonald, die Coroner-Untersuchung statt.
Mary Kelly unterschied sich wesentlich von den bisherigen Ripperopfern. Sie war vor 24 Jahren im irischen Limerick geboren worden, sah aufgrund ihres hübsches Gesichtes gut aus und hatte eine schlanke Figur.
Mary war 1884 aus Cardiff, wo sie bereits als Prostituierte gearbeitet hatte, eingewandert. Auch sie trank gerne Alkohol, was man ihr - aufgrund ihrer Jugend - noch nicht ansah.
Am Donnerstagabend sah die Prostituierte Mary Ann Cox gegen 23.45 Uhr, wie Mary Kelly in Begleitung eines Freiers, der ca. 38 Jahre alt war, ein aufgedunsenes Gesicht hatte, einen dichten rötlichen Schnurrbart trug und einen Bierkrug in der Hand hielt, Richtung Miller's Court gehen. Beide verschwanden in Marys Zimmer. Als Ms Cox gegen 1 Uhr zurückkehrte, um sich in ihrem Zimmer im Miller's Court die Hände zu wärmen, hörte sie "Black Mary", wie Mary Kelly auch genannt wurde, bierselig eine irische Ballade singen. Um 3 Uhr kehrte Mary Ann Cox erneut zurück, um sich schlafen zu legen. In Mary Kellys Zimmer war es dunkel und alles ruhig.

Ein anderer Zeuge, der arbeitslose Nachtwächter George Hutchinson, sah Mary Kelly noch um 2 Uhr morgens im Gespräch mit einen Mann. Dieser war wahrscheinlich Ausländer, ca. 35 Jahre alt, 1.70 m groß und mit einem pelzbesetzten Mantel, dunklem Filzhut und Knöpfstiefeln mit Gamaschen bekleidet gewesen.
Als beide an Hutchinson vorbeigingen, habe der Fremde den Kopf gesenkt und dann der Kelly einen Arm um die Hüfte gelegt. Beide seien vor dem Miller's Court stehen geblieben. Die Kelly habe ihr Taschentuch vermisst, worauf der Unbekannte ein rotes Taschentuch hervorzog und damit lachend einen Torero imitierte. Dann seien sie in Marys Zimmer gegangen.
Inspector Abberline versuchte Hutchinson als Wichtigtuer zu entlarven, da er ihn für einen Lügner hielt. Wie konnte der vermeintliche Zeuge, bei dem schwachen Licht der Gaslaternen, das Aussehen des Fremden und die Farbe des Taschentuchs so genau erkennen?
Aber George Hutchinson blieb während der Vernehmung und auch bei der Coroner-Untersuchung bei seiner Aussage.

In den folgenden Tagen musste die Polizei auf den Straßen von East End verstärkt Präsenz zeigen, da es sonst zu mehreren Lynchmorden gekommen wäre.
Nur langsam legte sich die Hysterie in Ostlondon und schließlich, wie auf Kommando, verstummte auch die Presse. So als wenn der Ripper bereits gefasst wäre.
In den folgenden Jahren wurden viele ungeklärte Morde und Leichenfunde in London und Umgebung dem Ripper zugeschrieben. Doch weder Polizei noch Presse schienen dieser Meinung zu sein. 1891 schließlich schloss die Polizei die Ripper-Akten.



Tatverdächtige

Bis zum heutigen Tag wird viel über die Identität Jack the Rippers spekuliert und diskutiert.
Einige Polizisten, die mehr oder weniger an den Ermittlungen der Ripper-Morde beteiligt waren, veröffentlichten Jahre später Biografien und Memoiren mit ihren Spekulationen und Verdächtigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es keiner der verdächtigten Personen der "Ripper" war, ist groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Metropolitan Police gar nicht in der Lage war, auch nur annähernd den Kreis möglicher Täter einzugrenzen und systematisch aufzuarbeiten, ist wesentlich höher. 
 
Montague J.Druitt Inspector Abberline und einige andere Autoren verdächtigten den Polen und 3-fachen Giftmörder Severin Klosowski alias George Chapman, der 1903 hingerichtet wurde.
Zum großen Kreis der Verdächtigten gehörten u.a. der gescheiterte Londoner Rechtsanwalt Montague John Druitt, der Anfang November 1888 in der Themse Selbstmord beging, sowie ein polnischer Jude namens Kosminski, der geisteskrank im Mai 1889 in einer psychiatrischen Klinik eingeliefert wurde und der russische, ebenfalls geisteskranke Arzt und Frauenhasser Michael Ostrog.
Im Jahre 1939 machte ein Grafiker seine Vermutung publik, dass der Ripper eine Frau gewesen sei und dachte sich sofort den neuen Alias "Jill the Ripper" aus.
Nach einer anderen Theorie aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, soll der Herzog von Clarence und der Arzt der Queen, Dr. Gull, gemeinsam die Morde begangen haben. Allerdings kann diese Behauptung angezweifelt werden, da Prinz "Eddy", der Sohn des späteren Königs, kränklich und geistig leicht debil war. Dr. Gull wiederum hatte bereits zum Zeitpunkt der Morde das 71. Lebensjahr überschritten und litt an den Folgen eines Schlaganfalls.
Diese Theorie ist als die "königliche Verschwörung" bekannt geworden.

I m Mai 1991 erhielt ein Liverpooler Arbeiter James Maybrick von einem Freund zum Geburtstag ein altes Tagebuch geschenkt.
Hierbei soll es sich um das Tagebuch des Arsen und Strychnin abhängigen Baumwollhändlers James Maybrick handeln, indem er sich als Jack the Ripper outet. Maybrick verstarb im Mai 1889 an seiner gefährlichen Sucht. Doch obwohl das Papier und die Tinte des Tagebuches alt sind, fehlt jeglicher Beweis der Echtheit. Woher der Freund des Arbeiters das Buch hatte, wurde seltsamerweise nicht geklärt. Der Freund verstarb im selben Jahr.
2001 veröffentliche die bekannte amerikanische Krimiautorin Patricia Cornwell ihr Buch "Portrait of a Killer: Jack the Ripper: Case closed" (deutsch.: Porträt eines Mörders: Jack the Ripper: Fall abgeschlossen). Mrs Cornwell hatte sich - um jeden Preis - entschlossen, die wahre Identität Jack the Rippers zu ermitteln.
Sie investierte über 4 Millionen Dollar für Nachforschungen und den Ankauf von Besitztümern ihres Verdächtigen, den deutschstämmigen impressionistischen Maler und Exzentriker Walter Richard Sickert.
Sie erwarb, neben 32 Kunstwerken des Malers, seinen Schreibtisch und die Staffelei.
Auch schreckte Mrs Cornwell nicht davor zurück, ein 70 000 Dollar-Bild des Künstlers zu zerschneiden. Doch ihre Hoffnung auf DNA-fähiges Material zu stoßen, war vergeblich. Diese Aktion löste in der Künstlerszene einen Aufschrei der Empörung aus und brachte ihr den Spitznamen "Patricia, the Ripper" ein. In dem - ausschließlich auf nicht nachweisbaren Vermutungen - bestehenden Buch muss sie zugeben, dass ihr nicht einmal bekannt ist, wo sich Sickert während der Ripper-Morde aufhielt. Ihre Kritiker behaupten, Sickert war im Herbst 1888 zu Besuch bei Freunden in Frankreich. Der Titel der deutschen Ausgabe des Buches wurde wohl wissentlich entschärft. Er lautet:"Wer war Jack the Ripper? Porträt eines Killer".

Die geheimnisvolle Aura der Whitechapel-Morde hat immer wieder die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Auffassungen dazu inspiriert, unzählige Bücher, Biografien, Filme, Theateraufführungen und Opern zu verfassen.
So gibt zum Beispiel im Londoner Stadtteil East End den sogenannte Jack the Ripper-Walk, eine Führung zu den Schauplätzen der Morde. Außerdem kann man dort auch Ripper-Souvenirs und verschiedene Geschenkartikel erwerben.
In Amerika existiert sogar eine monatlich erscheinende Zeitschrift namens "Rippertologist", und selbsternannte Experten, als auch Interessierte, treffen sich auf Events, um sich auszutauschen.
Der "wahre" Jack the Ripper hätte wohl niemals gedacht, dass er mit seinen Taten so nachhaltig in die Kriminalgeschichte und in den Köpfen der Menschen eingehen würde.
Seine wahre Identität jedoch nahm er mit ins Grab . . .

War Jack the Ripper ein Friseur?

Bislang waren Kriminologen und Historiker davon ausgegangen, dass der wahre "Jack the Ripper" der britischen Polizei immer wieder hatte unerkannt entkommen können. Folgt man dagegen den Notizen des damaligen Ripper-Fahnders Chief Inspector Donald Swanson, die seine Nachkommen jetzt an das Museum von Scotland Yard übergaben, dann ist der wahre Täter damals tatsächlich überführt worden - und kam doch nicht ins Gefängnis.

Verdächtige: Ein Lehrer, ein Arzt, ein Friseur

Die Polizei war ratlos. Assistant Commissioner Robert Anderson und Chief Inspector Donald Swanson versuchten verzweifelt, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Die Kriminalexperten erstellten ein Profil des Täters: Demzufolge handelte es sich um einen gut gekleideten Mann weißer Hautfarbe im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, von mittlerer bis kleinerer Statur. Höchstwahrscheinlich war er ledig und hatte einen festen Job: Seine Taten fanden zu verschiedenen Abend- und Nachtzeiten statt, aber immer nur an Wochenenden. Zudem hatte "Jack" vermutlich medizinische Erfahrung und war Rechtshänder.

Trotz dieser recht vagen Spuren grenzten die Fahnder von Scotland Yard den Kreis der Verdächtigen bald auf eine kleine Gruppe ein. Unter ihnen befand sich beispielsweise Montague John Druitt, ein junger Anwalt und Lehrer aus guter englischer Familie, der als sexuell gestört galt. Kurz nach den vorerst letzten Frauenmorden verschwand er. Seine Leiche wurde Ende Dezember 1888 in der Themse gefunden.

Der zweite Hauptverdächtige war ein jüdischer Friseur namens Aaron Kosminski, der 1882 aus Polen nach England gekommen war und nun in Whitechapel wohnte. Der psychisch kranke Kosminski war für seinen Hass speziell auf Prostituierte bekannt. Der Polizei fiel er 1891 auf, weil er seine Schwester mit einem Messer bedroht hatte.

Ein Zeuge identifiziert "Jack"

Auch Michael Ostrog, ein russischer Arzt und Sträfling, war unter den verdächtigen Personen. Ostrog war wiederholt wegen versuchten Totschlags in ein Irrenhaus gesperrt worden. Es konnte niemals geklärt werden, wo er sich zum Zeitpunkt der Taten aufgehalten hatte.

Doch den britischen Kriminalpolizisten gelang es nicht, einen der Verdächtigen vor Gericht zu bringen - zu dünn war die Beweislage. "Jack the Ripper" wurde zu einem Phantom, vor dem man sich in den dunklen Gassen der Themsestadt noch lange Jahre fürchtete.

1910 schließlich veröffentlichte Ermittler Anderson seine Memoiren, von denen er seinem Kollegen Swanson ein Exemplar schenkte. In den Passagen, in denen Anderson vom Ripper-Fall berichtete, kritzelte Swanson einige Bemerkungen an den Rand - glaubt man diesen Notizen, dann hatten die Beamten den echten Ripper tatsächlich bereits aufgespürt. Schon in dem Buch hatte Anderson erwähnt, der Täter sei sehr wahrscheinlich "ein polnischer Jude" gewesen.

Anscheinend war Swanson und seinem Kollegen etwas besonderes gelungen: Sie hatten einen Augenzeugen aufgetrieben, der Jack the Ripper gesehen hatte. Anderson und Swanson waren sich einig, dass der Zeuge einen der Verdächtigen identifiziert hatte. Erst am Ende des Buches notiert Swanson den entscheidenden Satz: "Der Verdächtige war Kosminski."

"Ein unlösbares Rätsel"

Und doch wurde Kosminski nie verurteilt: Der Zeuge, ein Mann jüdischen Glaubens, weigerte sich, vor Gericht auszusagen, "weil der Verdächtige ebenfalls Jude war und weil diese Aussage den Verdächtigen an den Galgen bringen würde - womit der Zeuge nicht sein Gewissen belasten wollte", notierte Swanson. Zudem war mehr als fraglich, ob man dem Friseur bei seinem Geisteszustand überhaupt den Prozess machen konnte.

Dennoch schien Jack the Ripper nun das Handwerk gelegt: "Nach der Identifizierung fanden keine Morde dieser Art mehr in London statt." Kosminski wurde künftig Tag und Nacht von Polizisten observiert. Kurz darauf wurde er laut Swanson in eine psychiatrische Anstalt gebracht. 1919 starb der Mann, der angeblich Jack the Ripper war.

Der Historiker Keith Skinner hat jedoch Zweifel: "Ich bin mir nicht sicher, dass Aaron Kosminski die richtige Person ist", sagte er der BBC. Es gebe einige zeitliche Widersprüche in Swansons Notizen. Skinner wird nicht der einzige Zweifler bleiben. So hatte beispielsweise 2002 die Thriller-Autorin Patricia Cornwell verkündet, sie habe den Beweis dafür, dass der deutschstämmige Maler Walther Sickert der Täter sei.

Dieses Rätsel werde wahrscheinlich niemals gelöst, sagte Steve Lovelock, der Chef der Londoner Polizeiakademie, der BBC. "Aber vielleicht ist es ja auch genau das, was den Fall von Jack the Ripper so interessant macht."